Alle Jahre wieder, alle Jahre neu – Arlberg 2008
 

 
 

Die Aussichten für die Arlbergtour 2008 waren äußerst schlecht. Michael hatte unter fadenscheinigen Gründen abgesagt, dafür musste der schlecht trainierte Mikel einspringen. Markus konnte wegen des Trainingsrückstandes erst am Donnerstag nachkommen. Die Wettervorhersage war denkbar schlecht und für Samstag war sogar tagsüber Regen vorausgesagt. Um die Apresskimöglichkeiten zu erweitern, setzten wir die Hinreise auf Mittwoch fest. Ohne Stau kamen wir bei Luise und Sepp in Pettneu an, wo wir wie immer sehr herzlich empfangen wurden.

 

Am ersten Tag pflügten wir auf zuckerweichen Pisten durch den frisch gefallenen Schnee. Als das Einfahren beendet war, ging es ab ins Gelände. Der Nebel hatte sich verzogen und die Sonne lachte auf uns hernieder. Auf knüppelharten Buckeln war, trotz guter Neuschneeauflage, Quälen angesagt. Wir wechselten in die Reviere der Zammermoosbahn und von St. Christoph, wo die Verhältnisse etwas besser waren. Mikel rettete sich gerade noch in die Mittagspause, bevor er sich nach einem kurzen Nachmittag zum Apresski abmeldete.

Am Abend hatten wir 12 500 Höhenmeter in den Beinen, als wir in die Sennhütte zu Didi Diesel einfielen. Dieser überzeugte wieder die Teilnehmer und alle waren begeistert von seiner Darbietung.
Abends im Pettneuer Hof versuchten wir die Bedienung zu einer gemeinsamen Skifahrt zu überreden. Mikel bezahlte seine Strafrunde und das Hotel spendierte für uns Stammgäste, eine Runde wohlschmeckenden Schnaps. Zum Abschluss gab es, unter Aufbietung der letzten Kräfte noch eine Minisitzung im Rennbüro. Nur Hansi sah noch die tief enttäuschten Augen von Markus, der nach langer Anfahrt durstig gegen 24:00 Uhr am Arlberg eintraf. Die Vorfreude auf ein gemütliches Bier mit den Kameraden wurde getrübt, als er das verlassene Rennbüro und eine total kaputte, sägende Mannschaft vorfand.

Am Freitag, dem zweiten Tag, war wieder St. Anton angesagt. Heute war auch Markus dabei. Deshalb wollten wir ihn langsam an unser Tempo gewöhnen. Alle 200 Meter sollte auf ihn gewartet werden, damit er nicht überfordert wird. Nach dem zweiten Stopp konnte man der Versuchung nicht widerstehen, mit Power durch den Tiefschnee zu fetzen. Hansi zeigte sich äußerst großzügig, denn er überlies Mikel seinen Rave, welcher Ihm neuen Auftrieb gab. Nachdem die Schindlergratbahn, nach Beendigung der Sprengarbeiten, freigegeben wurde, orientierten wir uns dorthin. Auf dem Sessellift lernten wir Christiane aus München kennen. Sie erzählte uns von den traumhaften Geländeabfahrten nach Langen und ins Verwalltal. Eine richtige Insiderin, die uns neue Abfahrten zeigen konnte. Am Schindlergrat angekommen, standen wir am Rande der Piste und Christiane fragte verwundert: Muss ich da hinunterfahren, da hinten ist die Piste! Böse Zungen behaupteten, dass unser Guide extra schnell gefahren ist, um sie abzuschütteln. Das stimmte natürlich nicht, denn nur mit Männern zu fahren macht ja nicht immer Spaß. Etwas unsicher und in großen Bögen, den Hang seitlich verlassend, verabschiedete sich Christiane, ohne mit uns die Mittagspause zu verbringen. Nachmittags waren die Hänge zwischen Schindlergrat und Steißbachtal unser Revier.

 

 

Als Höhepunkt des Tages war für die letzte Abfahrt, eine etwas abseits gelegene Rinne ausgesucht worden, die vorher beim Liften genau studiert wurde. Ohne Mikel stiegen wir, bei aufkommendem Nebel, über einen schneefreien Grat ins Gelände. Zu unserer Enttäuschung war die Rinne windverpresst und sehr schwer befahrbar. Da uns der Hang unsicher erschien, testeten wir am oberen Hang die Lawinensicherheit. Das Abrutschen des Schnees war das Zeichen, dass wir so schnell wie möglich in bekanntes Terrain zurückkehrten. Bei der Abfahrt stellen wir fest, dass die vorangegangen warmen Wochen, den Hang mit größeren Spalten durchzogen hatte, und Markus sich Eine davon ausgesucht hatte, um sich auszuruhen. Glücklich und wohlbehalten kamen wir im Heustadel an, um dort den Apresski auf eine andere Weise zu erleben. Die 11 500 Höhenmeter hatten uns nicht überfordert. Eine 3-Mann-Band spielte auf, konnte aber leider keine Stimmung in den Laden bringen. Rechtzeitig fuhren wir mit dem Skibus zurück, denn Luise hatte zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Nach den süßen Sachen gab es noch Bier und Schnaps und es wurde dabei viel erzählt und gelacht. Zur Abwechslung gingen wir danach ins Kirchplatzl zum Essen. Da wir mit der Schweinshaxenbestellung zu spät dran waren, mussten wir uns etwas anderes aus der Speisenkarte auswählen. Völlig überraschend erklärte uns, im Laufe des Abends, Friedhelm, dass er sich aus der Arlbergstammmannschaft  abmeldet. Die Strapazen der Arlbergtour und seine neue Lebenspartnerin würde er nicht mehr schaffen.

Am Samstag luden wir unsere Ausrüstung in unseren Kleinbus und fuhren nach Zürs, denn es war der „Weiße Ring“ angesagt. Da es am Abend zuvor geregnet hatte, war nicht viel mit Gelände fahren. Ein zaghafter Versuch und wir verschwanden in Richtung Lech. Da wir nicht gefordert waren, sprachen wir beim Fotoshooting zwei Frauen an, ob sie mit uns fahren wollten. Leider war beim ersten Stopp nichts mehr von ihnen zu sehen. Bis zur Mittagspause bewegten wir uns auf der Piste und probierten diverse Abfahrten. An der Terrasse des Hotels Mohnenfluh vorbei, einen Blick auf das erlesene Publikum werfend, fuhren wir ins Dorf in die Pizzeria Charly. Im Lokal angekommen erspähten wir eine Bedienung, deren weibliche Formen, die anwesenden Gäste ganz nervös machten. Leider bediente sie nur kurz an einem anderen Tisch und verschwand. Die Pizzen schmeckten hervorragend und frisch gestärkt konnten wir endlich ins Gelände fahren. Zur Abwechslung wollten wir uns im Parallelslalom messen, doch die Zeitnahme funktionierte nicht. Friedhelm übte bereits für den Apresski, denn seine Einlage, als er die Zielposten fast niedermähte, war Zirkusreif. Am letzten Lift mussten noch einige Höhenmeter gerissen werden, um auf 10 500 zu kommen.

 

Entspannt kamen wir in Zürs an, stärkten uns mit Bier und einer Brotzeit und freuten uns auf Gunnar, den Sänger und Gitarristen. Wie ernst Friedhelm den Apresski nimmt, sah man, als er nach dem Aussteigen wieder die Skischuhe anzog und damit in die Ortsmitte stapfte. Im Piccadilly angekommen gab es eine herbe Enttäuschung, denn es spielte nicht Gunnar, sondern ein uns unbekannter Musiker, der eine gute Stimmung in den Laden brachte.

Nach einigen Körben sprach unser Eintänzer die richtigen Frauen an. Eine davon, ehemaliges C-Kadermitglied und Skilehrerin wollte sich unserer Gruppe anschließen. Dabei machte sie uns klar, dass im Tiefschnee jeder fahren kann, aber Bruchharsch die richtige Herausforderung ist. Als Gebiet schlug sie den von uns oft verschmähten Rendl vor. Wir tauschten die Telefonnummern aus und vereinbarten, dass wir morgens anrufen und den genauen Treffpunkt abstimmen. Die Stimmung in der Gruppe schwankte zwischen Angst und der Vorfreude dass unser Guide in Grund und Boden gefahren wird. Da wir sehr unsanft aus dem Apresskischuppen herausgekehrt wurden, fehlte uns die Zeit noch etwas mehr zu provozieren. Auf direkten Weg ging es in den Pettneuer Hof zum Abendessen. Die Gespräche drehten sich um das Thema: Kommen sie oder kommen sie nicht. Zum Ausgleich wurden mit unserer Stammbedienung Lisi (Anneliese) Verhandlungen geführt, ob sie schon am nächsten Tag mit uns fährt oder erst im nächsten Jahr. Die Sitzung im Rennbüro fiel mangels Kondition der Teilnehmer aus.

Am Sonntag wurden noch schnell die Koffer gepackt, noch einmal gut gefrühstückt und uns recht herzlich von Luise und Sepp verabschiedet. Wir fuhren über den Arlbergpass zur Alpe Rauz, dem Ausgangspunkt der letzten Halbtagesetappe. Als wir startbereit waren, haben wir die Skilehrerin Henny aus München angerufen und unser Kommen angekündigt. Als wir an der Talstation von Hermanns „Höhenmeterparadies“ ankamen und längere Zeit auf die Mädels warten mussten, versuchten wir noch einmal Kontakt aufzunehmen. Alle Anrufe bzw. SMS wurden nicht mehr angenommen und wir mussten Allein unsere Spuren in den Tiefschnee ziehen. Mikel verabschiedete sich frühzeitig am „Rendlbeach“ und erfüllte sich sein eigenes Schonprogramm. Herrliche Tiefschneehänge halfen uns über die erlebte Enttäuschung hinweg. Die letzten Abfahrten führten uns über die Rodelalm, wo wir auf der sonnenüberfluteten Terrasse traditionell unser Blut- und Leberwurstgröstl verspeisten. An der Alpe Rauz gab es neben dem Freiluftstrip dann noch ein Abschiedsbier. So vergingen 4 herrliche Skitage am Arlberg, ohne neue Höhenrekorde, aber in einer Gruppe, deren Kameradschaft nicht zu überbieten ist.
 

Die neu gewonnen Weisheiten der Tour:

Noch 20 Jahre an den Arlberg fahren, für 10 € eine Saisonkarte kaufen und beim Mooserwirt eine 20jährige abschleppen. Wenn die Augen nicht mehr Alles sehen, dann werden wir mit den Händen fühlen.  

         Im nächsten Jahr hoffen wir, dass einige Interessenten mit uns fahren, die  nach dem 3. Bier ihre Zusage geben und wenn es schließlich Ernst wird mit einfallsreichen Ausreden absagen.