Lago Maggiore

 

Lago Maggiore – feuchtes Bikeerlebnis im Tessiner Land

 1. Tag: Anreise – Tour Cardada (ca. 1800 hm)
Für die 5-tägige Erlebnisreise mit dem MTB haben sich die 6 Dienstagsradler viel vorgenommen. Mit hochtechnischer GPS-Ausrüstung und bestem Kartenmaterial ausgestattet, starteten sie die Tour Cardada (ca. 1900 hm) am Lago Maggiore nach wetterbedingter Verzögerung.
Die langen gepflegten aber steilen Teeraufstiege mündeten in schmale Pfade, bevor der höchste Punkt dieser Einzackentour erreicht wurde und das unspektakuläre Hinsurfen ins Tal nach Locarno die Teilnehmer erfreute und gleichzeitig auf das vorherrschende Streckenprofil einstimmte. Während der Augenpflege bei kühlen Weizen setzte erneut strömender Regen ein. Die Sprintetappe zu unserem Hotel in Orselina (200 hm oberhalb des Sees gelegen) konnte folglich erst nach ausreichender Stärkung und zünftigem Flüssigkeitsausgleich entschieden werden. Gelohnt hat sich die Hotellage in den Bergen mit den allabendlichen Aufstiegen in jedem Fall. Grandiose Blicke über den See bei Locarno beim Frühstück und geschmackvoll zubereitetem Gourmet-Abendessen, sowie der freundliche und aufmerksame Service einschließlich Bikekleiderwäsche übertrafen unsere Erwartungen. (Empfehlungsadresse: www.hotelstella.ch; beste Grüße an H. Schürpf und Team) 

2. Tag: Tour Tamaro (2400 hm , 70 km)
Die Wetterprognose des Vortages bestätigt sich auch am nächsten Tag mit strömenden Regen, weshalb wir erst verspätet exakt zu unserem letzten Zeitlimit losfahren konnten. Schon zu Beginn fanden wir knüppelharte Aufstiege über schmierseifenartiges Römerpflaster, dann Teer und zuletzt grober Schotter und Felsgestein. Am höchsten und vom Hotel am weitesten entfernten Punkt in 1870 m Höhe bestätigte sich erneut die schlimmste Wettervorhersage. Sintflutartiger Regen, taubeneiergroße Hagelkörner, heftige Blitze,  peitschender Wind, starker Nebel und........eine geschlossene Berghütte! Die Wanderwege, die uns ins Tal führen sollten verwandelten sich in wadentiefe Bäche. Völlig durchnässt und unterkühlt, versuchten wir die Tour auf eigene Faust und ohne GPS-Unterstützung wegen der dramatischen Wetterlage abzukürzen. Die drei netten Wasserwerksarbeiter einer rettenden Hütte halfen uns mit schmackhaftem Tee und Kaffee und wärmendem Lagerfeuer aus dieser prekären Situation. Die von den Ortskundigen empfohlene Verkürzungsroute entpuppte sich als Canyoning-, Downhill- und Klettertour höchster Güte. Sicher bereits spektakulär ohne Fahrrad und bei trockener Witterung wäre es ein Abenteuer gewesen. So mussten wir uns durch Sturzbäche, vorbei an Wasserfällen, auf steilsten klitschigen Felswänden am Rande der tief abfallenden Berghängen den Weg durch die Natur mit dem Rad auf dem Rücken suchen. Vom Fahren keine Spur. Nach ca. einer Stunde Bild des Grauens kamen wir der Zivilisation näher, und die weitere Streckenführung verlief gemäßigt über den 20 km rettenden Asphalt in strömendem Regen zum Hotel. 

3. Tag: Tour Raza
Wieder Startverschiebung wegen Regen nach anfänglicher ernsthafter Glaubenskrise und Vorabstärkung durch 1 Bit im Bus.

Über Ascona erreichten wir schnell die steile Passstraße bis zum höchsten Punkt in Casone. Erfreulich ging es weiter über schwierige und sehr anspruchsvolle Single Trials in Richtung Rasa, wo sich die 5 übrig gebliebenen Biker nach aussichtloser Suche nach dem vermissten Sohn erstmals mit Ministrone stärken konnten. Dieser traumhaft gelegene Bergort ist nur über Wanderwege und eine Seilbahn erreichbar. Der weitere unfahrbare Treppenabstieg zum tiefer gelegenen zivilisierten Ort Bordoi verlangte uns kräftemäßig nochmals alles ab. Anschließend verlief die Route entspannt durch das Cento Valli (Val=Tal) am Fluss Maggia vorbei nach Ascona.
 

4. Tag: Lugano – Riffugio Monte Bar - Lugano
Tourstart zunächst mit Bus verspätet nach Lugano. Die Tagesetappe führte uns nach anfänglicher Pannenbehebung über eine nicht endende Teerpassage. Dann kam der Einstieg in einen steilen Wanderweg, der nur durch Schieben bezwungen werden konnte. Eine sich anschließend erholsamere flachere Pfadstrecke führte uns mit herrlichen Ausblicken über ein Bergplateau. Nun wurden wir wieder von einer längeren Schiebepassage zum Aussichtspunkt Monti di Bigorio überrascht. Wegen des aufziehenden Gewitters reichte die Zeit nur für einen kurzen Blick und eine weitere Bergwertung wurde ohne Worte automatisch gestartet. Alle Biker erreichten vor den wolkenbruchartigen Regengüssen die Hütte Riffugio Monte Bar in 1600 m Höhe. Hier konnten die Vitaminspeicher durch Pasta und Getränke und der Wärmehaushalt mit Hilfe des Kachelofens aufgefüllt werden. Wir nahmen die Empfehlung des Hüttenwirts an und verkürzten die Tour über einen ansprechenden Wanderweg hinab nach Signora und anschließend zur Promenade und zum Stadtpark des Luganer Sees. Mit herrlichen Blicken auf den See, die Bergwelt und die reizenden Mitmenschen fand der Tourtag ohne weitere nässebedingte Zwischenfälle sein trockenes Ende.
Belohnt durch die Köstlichkeiten des Hotels (wir waren abermals die letzten Gäste im Speisesaal) wollten wir noch mit einer letzten Runde den erlebnisreichen Tag beenden.
Kommentar unseres Hotelchefs:

-Mensch Leute, ihr habt mich leer gesoffen........

-Mit eurer Abreise habe ich bei dieser Wettervorhersage bereits am Donnerstag gerechnet.
Mehrfach versorgte er uns mit regionalen Spirituosen und Freibier aufs Haus. 

5. Tag: Biken unmöglich – Tag der Abreise
Dauerregen über den ganzen Morgen hinweg. In einer Nacht und an diesem Morgen fiel mehr Regen als sonst den ganzen Monat. Statt Biken war Sightseeing im Verzasca-Tal angesagt. Begrüßt wurden wir von riesigen Gichtfontainen des überlaufenden Staudammes zu Beginn des Tales. Flussaufwärts konnten wir die spektakuläre Naturgewalt des Wassers bedingt durch die langanhaltenden und extrem starken Regenfälle der letzten 5 Tage beobachten. Mehr als Worte zeigen die folgenden Bilder:

 
 

Fazit:

  • nie war ein Urlaub so veregnet

  • auch hinter dem Alpenhauptkamm gibt es Dauerregen

  • nie mussten wir unsere Tourvorhaben so oft ändern

  • tolle Truppe - Männerwelt