Alpenüberquerung 2000

Alpenüberquerung Obersdorf - Gardasee

Distanz: 430 km
Höhenmeter: 11790 hm Auf, 11100 hm Ab
Strecke: Über den Schrofenpass, das Almajurjoch, das Winterjöchl und den Fimba- und Schlynigpass über den Hauptkamm. Im Süden fahren wir östlich vom Ortler durch den Vinschgau nach Tscherms. Über das Rabbijoch gehts ins Val di Sole. Zum Abschluss über den Passo del Groste direkt ins Zentrum der Brenta-Gruppe.
Länder: Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien
Höchster Punkt: Fimbapass mit 2608m (6 weitere Pässe über 2000m)
Etappen (7):
Tag Strecke km hm Auf hm Ab
1 Obersdorf - St. Anton 57 2100 1600
2 St. Anton - Heidelbergerhütte 58 2080 1100
3 Heidelbergerhütte - Sesvenahütte 40 1605 1350
4 Sesvenahütte - Tscherms 90 350 1900
5 Tscherms - Rabbijoch 42 2100 50
6 Rabbijoch - Rifugio Graffer 58 2150 1800
7 Rif. Graffer - Riva del Garda 85 1410 3300
Höhenprofil: zum Ansehen bitte anklicken
Fazit: Absolute Traumtour!!

Die sechs unerschrockenen saarländischen Spitzensportler stellen sich vor:
(Bild von links nach rechts)
A. Stillenmunkes  Profi-Fußballstar kurz vor Rente
Michael Jäckel bekannt als ehrgeiziger Ausdauerheld
Walter Kern erprobt als Obelix
Arno Maldener der Perfektionist, Ansprechpartner in allen Bikesportangelegenheiten
Hermann Backes der unerschrockene Downhiller
Christian Thome die Bergziege (Tourvorbereitung 7.000 Km!!)
Tourbericht
Hinweis: Zur Vergrößerung  der nachfolgenden Bilder bitte anklicken. Dies kann je nach Größe einige Sekunden dauern.
Vor Tourstart:
Das Lampenfieber bei der Abschlußbesprechung in Oberstdorf am Abend vor Tourstart weitet sich aus. Letztes Weizenbier nach Bekanntgabe des Trainings- und Materialzustandes der weiteren sechs außerirdischen (=außersaarländischen) Teilnehmer.
1. Tag
Härtetest Nr. 1 war bereits der Start.
Pünktlich um 8.30 Uhr am 02.09.2000 standen die heißen Biker - die Blicke zum Himmel gerichtet - mit steifer Miene und völliger Unentschlossenheit in Startposition. Es goss unaufhörlich wie aus Kübeln. Ein schlechterer Auftakt ist sicherlich nicht vorstellbar. Das Warten auf Wetterbesserung wurde eingestellt.
Der Startschuss fiel. Aufgrund widrigster Wetterverhältnisse waren selbst die bestens ausgestattete Materialfahrer (wie Arno!) nach 30 Minuten völlig durchnässt (von außen, versteht sich). Infolge der Nässe gestaltete sich die Tour wesentlich schwieriger als erwartet. Nach längerer anstrengender Bergauffahrt war der Punkt erreicht, an dem die Radler ein Weiterkommen nicht mehr vermuteten. Mit dem Bike auf der Schulter musste nun ein ca. 30 cm breiter Klettersteig überwunden werden. Infolge der hier lauernden Gefahren hatten die Extremisten fast vergessen, dass sie bereits in 1.688 m Höhe am Schrofenpaß angelangt waren. Gott sei Dank ging´s über die Österreichische Grenze in Form einer Trailabfahrt mit einigen Schiebepassagen hinab nach Lechleiten und weiter nach Steeg zum ersehnten Mittagstisch. Gegessen wurde in Unterhosen.
Leider mussten die Sportsfreunde nach kurzer wärmender Pause wieder in die nasse Monturen und dann in den Dauerregen, um vom Almajurtal, teilweise schiebend hinauf zum 2.237 m hochgelegenen Almajoch zu gelangen. Der Wettergott hat an diesem Tag kein Erbarmen!! Fast erfroren erreicht man nach längerer Abfahrt St. Anton am Arlberg. Nun ging´s in leichter Bergauffahrt zur Konstanzer Hütte, der 1. Bergübernachtung. Stärkung erfuhren die Saarländer beim anschließenden Weizenbierkampftrinken. image008.jpg (53813 Byte)
2. Tag
Wegen unverhofftem nächtlichen Schneeeinbruch musste der Tourverlauf spontan geändert werden.
image016.jpg (40021 Byte) Auf längerer Teerpassage führte der Weg über St. Anton hinab nach Strengen und durch das gesamte Paznauntal weiter bergauf bis Ischgl. Das war erst der Anfang. Jetzt kletterte man durch das bekannte Skigebiet hinauf durch das Fimbatal über den Schweizer Grenzübergang zur zweiten Hüttenübernachtung in der Heidelberger Hütte (2.264 m). Hier wurde am Kachelofen Weizenbier bis zur vordiktierten Nachtruhe getrunken.
3. Tag
Als wir morgens die Augen aufmachten war alles schneebedeckt, jedoch gab es keine Möglichkeit der Tourumfahrung. Schiebend kämpfte man sich auf 2.608m Höhe, zum höchsten Punkt der Tour, dem Fimbapaß. Bis zu diesem Zeitpunkt war kein Jammern der Saarländer zu hören. Scheinbar war jeder bestens auf die Tour eingestimmt.
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Probleme bereiteten jedoch eingefrorene Bremszüge, gebrochene Hydraulikleitungen und unverhoffte Plattfüße. Infolge extremer Eisglätte ging´s in äußerst gefährlicher Trailfahrt in abenteuerlicher Weise –den Tod vor Augen- hinab nach Sur En ins Engadin, im Renntempo weiter bergauf zum Val d Ùina. Empfehlenswert ist ein Stop bei dem deutschen Hüttenbetreiber der Uina Dadaint.
image038.jpg (70302 Byte) Atemberaubend schön verläuft der obere Teil der Schlucht. In einem schmalen, in den Fels gehauenen Steig durch eine kilometerlange überhängende Felsgalerie kämpfte man sich durch eine der schönsten schweizerischen Schluchten hindurch, hinauf zum Schlynigpaß (2.311 m). Hier wurde in die Sesvenna Hütte übernachtet. Der Wunsch nach einer Teerpassage wurde von einem Tourteilnehmer (=Michael) immer lauter!
4. Tag
Der Tourverlauf setzte sich im Rahmen einer entspannenden „Kaffeefahrt“ vor der Kulisse von Ortler und Königsspitze bei einem Abstieg von 2.000 hm über Burgeis nach Gluns durch den Vinschgau (=südtiroler Obstgärten) entlang der Etsch nach Tscherms bei Meran (300m) fort.
Spitzfindige Sportakrobaten behaupteten beim Abstieg, dass diese Tagesetappe einer Dienstagstrainingstour von 3 Stunden entsprochen hatte. „Autobahnerfahrene“ Radler weisen diesen Vergleich vehement zurück!! Infolge der sich doch mittlerweile abzeichnenden Strapazen musste der Tourälteste (20 + 20 + X Jahre) bei der abendlichen Biergartenbesichtigung eine Auszeit nehmen. Ein fadenscheinliches Argument wie Kleiderwaschtag wurde angegeben???
Dies war Anlaß für die weiteren fünf Unermüdlichen, einen Streich auszuhecken, um den Konditionsvorsprung von „Obelix“ auszugleichen.
5. Tag
Von Tscherms (300m) stand eine 42 km lange Bergauffahrt durch das Ultental auf dem Programm. Bei dieser Etappe wurde der  ausgeschlafene „Obelix“ mit kleinen Hinkelsteinen im Rucksack bedacht. Vorbei am wunderschönen Zogglerstausee führte die Tour  in kraftraubender Bergauffahrt durch das Kirchbergtal zum Rabbijoch (2.425m) und zu der in toller Bergkulisse gelegenen Haselgruber Hütte.
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image060.jpg (36223 Byte) 6. Tag
Entlohnung für diesen strapaziösen Aufstieg erfuhren die mittlerweile Kampferprobten bei der geilen Trailabfahrt ins Rabbital nach Male ins 658m tief gelegene Cles.
Ein langer Bergweg mit 2-stündiger Schiebe- und Tragepassage führte durch das Val di Tovel am gleichnamigen See (1.178m) vorbei zum Passo del Groste (2.442m) in die Brenta der Dolomiten.
Nach kurzer Abfahrt war das Tagesetappenziel, die Berghütte Riffugio Graffer im Skigebiet Madonna di Camillio mit lohnendem und unvergesslichem Panorama erreicht. Ein leichtes Aufatmen ist bei den Kumpels zu spüren. Der angeeignete Konditionsvorsprung der weizenbiergedopten Saarländer gegenüber der teils „Ironman“ - erprobten Teilnehmer sowie das ersehnte  Tourziel machen sich bemerkbar.
Es wurde klar festgestellt, dass der Energiegehalt von Weizenbier den der Powerbar - Energieriegel bei weitem übertrifft.
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image066.jpg (62762 Byte) 7. Tag
Am frühen Morgen führte die letzte Etappe an einem Wasserfall vorbei, hinunter ins Val Agola (1.350m). Eine leichte Auffahrt folgte zum Lago di Val Agola (1.595m), gefolgt von einer Schiebe- und Tragepassage auf 1.836m. Nun ging´s bergab nach Ponte Arche und wieder hinauf zum Rifugio St. Pietro (997m). Belohnung erfolgte durch einen herrlichen Ausblick auf das langersehnte Ziel, den 900 m tiefer gelegenen Gardasee. Eine letzte traumhafte Teerabfahrt führte uns nun nach Riva. 

 Z I E L  E R R E I C H T !!!  Die Alpen sind durch Muskelkraft bezwungen worden.

Alle Teilnehmer befinden sich in glänzender Verfassung und gratulieren gegenseitig zur Erreichung des hochgesteckten Ziel´s. 

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Weitere Kommentare bzw. Sprüche der Alpinisten:
- Zeige mir mal den Zackenplan (=Höhenprofil)
- Meldung im Radio: "Krötenwanderung in Obersdorf"
- 8-Stunden-Schauer
- Gut dass ich meine Taucheruhr dabeihabe
- Da ist einer der sucht Teer
- Wird hier der Saarlandcup ausgefahren?
- Wir sitzen hier und lassen die Vögel in die Kamera scheißen
- Ich wache auf und denke ich sehe eine Deutsche Dogge
- Rückreise bei Eppelborn: "Arno ich kann ja auch einmal fahren"