Alpenüberquerung 2001

Alpenüberquerung 2001 Mittenwald – Gardaseee oder das beste Material taugt nur fürs Schaufenster

Die 4 Bergziegen Andy, Kurt, Norbert und Reiner mit den 5 Flachländern Dirk, Klaus, Mario, Thomas, Walter und der belgische Guide Dirk Persoons trafen sich zur Alpenüberquerung 2001 in Klais bei Garmisch-Partenkirchen. Der Begrüßungsabend war schon fast das Reisegeld wert, denn die Spezialisten kannten fast jeden Weg  in den Alpen. Die Wetteraussichten für die kommenden Tage waren miserabel; Regen eimerweise und Schnee ab 1200m Meereshöhe, da wurden schon Ausweichrouten geplant. Unsere alpenerfahrenen Biker stempelten unseren Guide zum Statisten und diskutierten die einzelnen Teilstrecken schon im voraus.
Samstagmorgen gabs ein kräftiges Bikerfrühstück; letzter Ausrüstungscheck, Rucksack auf den Rücken und um 08:30 Uhr Sattelkontakt. Das Wetter war besser als erwartet, zwar bewölkt und kalt aber trocken. Lockeres Einrollen auf dem Radweg Richtung Mittenwald mit 5 Hardtails und 5 Fullys. Nach 20 Minuten gings richtig los. Auffahrt zur Neureiner Alm und nach einer kurzen Abfahrt kam das erste Abenteuer. Schuhe und Socken ausziehen, die Hose hochkrempeln und mit der kompletten Ausrüstung durch den knietiefen und eiskalten Wildbach. Wieder langsam an Höhe gewinnen und zum Eingewöhnen eine tolle Trailabfahrt nach Hinterriß. Dann gings im Regen über den großen Ahornboden zur Mittagspause auf die Engalm. Anschließend waren 2 Stunden Fahren oder Schieben zum Lamsenjoch und weiter zur Lamsenjochhütte angesagt. Hier zeigten unsere Bergziegen zum ersten mal, dass sie nicht nur beim Bier stark sind. So spulten sie locker ihr Programm ab als wäre es der Schaumberg, da hätten vermutlich einige Dienstagsradler die Sportart gewechselt. Dann endlich die Abfahrt ins Inntal nach Vomp mit 1400 Höhenmetern, lang und schwer. Ein kurzer Anstieg auf Teer zum ersten Tagesziel ins Hotel nach Weerberg.
Heute kommt der erste Knaller schon am frühen Morgen. 3 Stunden Auffahrt über die Weidener-Hütte aufs Gaisjoch in 2300 m Höhe. Die letzten Meter mussten alle ihr Bike im Schneesturm durch den Neuschnee schieben. Dick eingepackt und so schnell wie möglich ins Tal nach Vorder lnersbach und weiter zur Mittagspause nach Hintertux. Bei dieser Königsetappe kam zum Abschluß noch ein 909 Hm langer Anstieg zum Tuxerjochhaus auf 2313 m hinzu. Nach insgesamt kalten 2600 Höhenmetern Anstieg wurde der Abend am warmen Kachelofen in feucht fröhlicher Runde verbracht.
Bei minus 4 Grad wurden die Räder 45 Minuten ins Tal geschoben oder getragen, denn der dritte Tag war schon wieder eine Königsetappe. In rasanter Fahrt über Schotter und Teer gehts ins Wipptal hinaus. Beim Bäcker in Gries am Brenner wird noch Verpflegung eingekauft und weiter geht’s über die Sattelalm auf den Sattelberg hoch über der Brenner-Autobahn. Auf der Brenner-Grenzkammstraße in 2000m Höhe geht’s kuppiert den Kamm entlang, bis uns ein Schotter- und Teerweg in einer Stunde wieder ins Tal nach Gossensass bringt. Dann das schönste Teilstück für die Flachländer, flach mit kurzen Anstiegen, auf ruhigen Wegen durchs Eisacktal Richtung Süden. Ein kurzer Abstecher in die Altstadt von Sterzing, um die Augen noch etwas zu verwöhnen. Der Endspurt ging über Franzenfeste ins Pustertal nach Mühlbach. Heute waren es 92 km und 3300 Hm bergab bevor wir im Hotel zur Linde verwöhnt wurden.
Dienstags gings zum Einfahren in 2 Stunden und 1200 Hm zur Starkenfeld Hütte nach Süden in  Richtung Dolomiten. Es war immer noch Schweinekalt, da tat ein warmer Ofen auf der Hütte gut. Weiter führte der Weg ins Tal nach Lüsen und gleich wieder nach oben auf die Haslalm bevor uns die letzte Abfahrt des Tages in Reinhold Messners Heimat nach St. Magdalena in Villnößer Tal bringt.
Der fünfte Tag führt uns unterhalb der Geislergruppe über die Gschnagenhardtalm, den Adolf-Munkel-Weg und die Broglesalm auf den Raschötz hoch über St. Ulrich. Zum ersten mal sahen wir unsere Skigebiete im Grödner Tal und den Langkofel wieder. Bei der Abfahrt über die Flitzerscharte nach St. Ulrich fiel dann die hintere Bremse wieder aus, doch mit einer Bremse schafft man es normalerweise noch ins Tal. Doch leider war nach kurzer Zeit die Vorderbremse nur noch Ballast- oder Zierstück. Ohne Bremse oben am Berg kann man das Bike nur frustriert ins Tal schieben, den nächsten Fahrradhändler aufsuchen, der die Bremsen repariert und in der Zwischenzeit auf einer Terrasse in der Fußgängerzone ein Eis essen gehen. Nach 4 Stunden Zwangsaufenthalt gehts wieder weiter Richtung St. Christina ins nächste Tal hinein über Saltria und den bekannten Skigebieten der Seiser Alm hoch zur Tierser-Alpl-Hütte. Der höchste Punkt der Tour in 2438 m Höhe wird kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreicht. Ein nie erwarteter Komfort und reichhaltiges Essen mit Weizenbier lassen den Frust des Tages verblassen.
Der nächste Tag beginnt mit einer extrem steilen Abfahrt auf der die Bremsen stark beansprucht wurden. Wenn man dann am Ende merkt, dass die Bremse nachlässt wirds  einem langsam flau im Magen. Nach dem Halt ist die Bremswirkung vorne gleich Null und damit die Alpenüberquerung hier zu Ende. Nach einer kurzen Abschiedszeremonie trennen sich unsere Wege. Die Gruppe fährt weiter Richtung Süden, dem Gardasee entgegen und ich schleiche mich nach Norden auf die Seiser Alm. Mit dem Bus, das Fahrrad im Gepäckraum, bis zum nächsten Halt in Kastelelruth. Weiter teils bergab schiebend ins Eisacktal nach Waidbruck, dann den Radweg entlang des Eisacks bis zum Bahnhof Brixen. Über den Alpenhauptkamm nach Innsbruck und zum Ausgangspunkt nach Klais bringt mich die Bahn.
So geht diese Alpenüberquerung zu Ende mit der Erkenntnis, dass die Trainingsvorbereitung stimmte, das Material aber nur für einige Runden um den Bostalsee ausgelegt ist. Es wurden in den 6 Tagen 341 km, 11550 Hm bergauf und 11190 Hm bergab in 30:46 Stunden auf dem Bike zurückgelegt.
Das Höhenprofil (Zackenplan) der Tour findet ihr hier.

Für 2002 ist von der Dienstagsgruppe eine Vogesentour über 4 Tage und/oder eine Dolomitentour am 3.Oktober geplant